11.06.2025
- 15.06.2025
Von der Unabgeschlossenheit
des Theaters und der Demokratie
Wir leben in Zeiten des Übergangs. Die Demokratie gerät als politische
Struktur der Gesellschaft immer mehr unter Druck. Sie droht zu zerbrechen. Wie kann Demokratie gestärkt werden? Nur indem
man mehr Demokratie wagt.
Es braucht mehr Demokratie in der Demokratie, denn auch in demokratischen Gesellschaften werden
Menschen ausgeschlossen. Und das von Beginn an: In der griechischen Polis waren es Frauen und Sklav:innen, und auch heute
noch bestimmen Geschlecht und Klasse, Herkunft und Staatsbürgerschaft, wer dazugehört. Das durch Ausschlüsse produzierte
‚Außen‘ ist aber ein konstitutives Element des Politischen, indem es die Unabgeschlossenheit und radikale Offenheit jeder
sozialen und politischen Ordnung verbürgt.
Was passiert, wenn man – wie in unserem Festival - Demokratie von den
Ausgeschlossenen her denkt? Das stört zwar die Illusion der Harmonie, wirkt aber demokratisierend. Es fordert heraus, sich
dem/den Anderen zu öffnen, eigene Positionen zu befragen, Neues auszuprobieren, die damit verbundenen Vorgänge zu reflektieren,
Handlungen immer wieder zu revidieren. Es entsteht eine experimentelle Praxis, die alle mit ihren Interessen und Ansprüchen
miteinbezieht, es entsteht eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und geteilten Erfahrung. Demokratie ist nicht nur
die demokratisch legitimierte Herrschaft, Gesellschaft wird gemeinsam gestaltet. Das ist ein Ziel, das wir immer nur in Annäherungen
erreichen können. Dennoch: Demokratie muss stets erneut gewagt werden.
Das Festival öffnet Räume, in denen dazu
eingeladen wird, gemeinsam zu sprechen und zu handeln – in denen Theater als „Erscheinungsraum der Freiheit“ (Hannah Arendt)
erfahrbar wird.