Tanja Šljivar

© Beatrice Hildbrand

© Beatrice Hildbrand

Tanja Šljivar wurde 1988 in Banja Luka (SFR Jugoslawien) geboren. Sie besitzt sowohl den BA als auch den MA in Dramaturgie der Fakultät für Darstellende Kunst in Belgrad, Serbien. Sie ist Autorin der Stücke Was kostet die Pastete?; Kratzen oder Wie meine Großmutter sich umgebracht hat; Wir sind die, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben; Aber die Stadt hat mich geschützt; All adventurous women do und Totgeboren, die in professionellen Theatern in Bosnien, Kroatien, Serbien, Spanien, Deutschland, Österreich, Albanien und Polen szenisch gelesen und aufgeführt wurden. Sie schreibt auch Kurzgeschichten, Hörspiele, Drehbücher für Kurzfilme und theaterwissenschaftliche Texte und arbeitet als Dramaturgin. Sie hat mehrere Auszeichnungen für ihre Dramatik erhalten, u.a. den Sterija Preis, für das beste zeitgenössiche Stück in Serbien, und MESS Market Award, den Koproduktions Preis des MESS Festivals in Bosnien. Ihre Stücke wurden ins Englische, Deutsche, Mazedonische, Französische, Ungarische, Katalanische, Albanische, Slovakische und Polnische übersetzt. Sie war Stipendiatin von IHAG, Graz; Museumsquartier 21, Wien; Pristina has no river, Pristina Writer-in-Residency Programmen. Mit dem Stück All adventurous women do ist sie für den Retzhoferdramapreis in Österreich nominiert. Zurzeit betreibt sie ein Masterstudium in Angewandter Theaterwissenschaft in Gießen, Deutschland.

 

ALL ADVENTUROUS WOMEN DO

Der Ausgangspunkt für den Dramatext “All adventurous women do” ist ein wahres (?) Ereignis, über das Ende 2014 in bosnischen und internationalen Medien berichtet wurde – der Fall betrifft eine „kollektive Schwangerschaft“ von sieben bosnischen Teenagerinnen während einer kurzen Schulexkursion. Sieben dreizehnjährige Mädchen, sieben Szenen und sieben Monologe bilden den formal-thematischen Rahmen des Dramas, in welchem die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und der Aussagen der Mädchen die einzige Konstante darstellt. Schwangerschaftstests, Skype, Instagram, serbischer Turbofolk und amerikanischer Pop, die Großmütter der Mädchen, die kritische Theorie, die chauvinistische Pornographie, der patriarchale Morast einer Kleinstadt, Abtreibungen und Fleischfressen – dies sind einige der thematischen Knoten im Text.

All adventurous women do ist ein Dramatext über die Notwendigkeit wegzugehen, um die eigene Sexualität vollständig zu realisieren, über die Notwendigkeit wegzugehen, um über den eigenen Körper bestimmen zu können, über die Notwendigkeit wegzugehen, um über das eigene Leben bestimmen zu können. Auf der Ebene der Sprache stelle ich mir vor und erforsche ich, was passiert, wenn eine Gruppe von Teenagerinnen beschließt, das patriarchale Konzept der Kernfamilie zu verändern, Sex zu haben, schwanger zu werden und abzutreiben, um anschließend auf Grund dessen aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Den Mädchen ist das egal, weil sie ohnehin niemals dieser Gesellschaft angehört haben. Sieben Mädchen wollen uns in sieben Monologen alles erzählen, außer wie sie während der Klassenfahrt tatsächlich schwanger wurden.

Anmerkung: Der Text entstand zum Teil im Rahmen von Schreibaufenthalten (IHAG in Graz, Museumsquartier 21 in Wien) zwischen Oktober 2015 und Januar 2016.)

Stückausschnitt “All Adventurous Women Do”

 

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