Michael Meichßner & Antje Thoms

Antje Thoms

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© Axl Klein

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Michael Meichßner & Antje Thoms lernten sich am Deutschen Theater Göttingen während der Inszenierung von „FLEISCH IST MEIN GEMÜSE“ kennen. Nach weiteren gemeinsamen Arbeiten als Schauspieler und Regisseurin beschlossen sie, den Versuch zu wagen, zusammen ein Stück zu schreiben.

Antje Thoms studierte Angewandte Theaterwissenschaften in Giessen und war anschließend Regieassistentin am Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Seit 2003 ist sie freiberuflich als Regisseurin und Autorin tätig. Sie ist Gründungsmitglied der freien Zürcher Theaterformation Trainingslager und mit Neubeginn der Intendanz von Erich Sidler seit der Spielzeit 14/15 Hausregisseurin am Deutschen Theater Göttingen.

Michael Meichßner absolvierte nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann ein Schauspielstudium an der Schule des Theaters im Theater der Keller in Köln. Noch während seines Studiums spielte er am Düsseldorfer Schauspielhaus. Weitere Engagements führten ihn u. a. ans Theater Pforzheim, das Deutsche Theater in Göttingen und das Theater Bonn. Zurzeit ist er am Rheinischen Landestheater in Neuss engagiert und unterrichtet als Dozent für Rollenarbeit an der Schauspielschule Der Keller und der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

 

DIE GERÄUSCHE DER MITTELSCHICHT ODER DAS GEMÜT IST EIN ARSCHLOCH

Ein Panorama, zusammengesetzt aus den Momentaufnahmen kleiner Geschehnisse privaten Lebens: Es ist der 26. April. Ein Jahr vergeht. Während in der großen Welt die Stürme toben, fallen in der Siedlung die Äpfel von den Bäumen und werden zu Apfelmus eingekocht.

Im Hintergrund die Einflugschneise, das Rauschen des nicht allzu weit entfernten Autobahnzubringers. Und noch: das Klappern von Tellern, Besteckkästen und Grillzangen. Das Schlagen von Fenstern und Türen. Ein Ball, der immer wieder gegen ein Garagentor prallt. Das Schmatzen und Rascheln eines Igels im Laub. Das Rinnen einer defekten Klospülung. Die Kirchenglocke, gerne am frühen Sonntagmorgen. Nicht zu vergessen: Das Ticken der Uhren. Das Vergehen der Zeit. Nur das Gras hört man hier niemals wachsen.

Menschen trennen sich oder ziehen zusammen, kriegen Kinder oder gehen zu Beerdigungen, falten Wäsche oder mähen den Rasen. Sie besitzen Bücherwände, Carports, Haushaltsgeräte, Funktionskleidung und Apfelbäume, sie beschäftigen Fensterputzer, Steuerberater, Handwerker und Gärtner, sie gehen zur Zahnreinigung, zum Kinderturnen und zur Psychotherapie. Ihr Treiben wirkt häufig wie eine fix verabredete Choreografie, dabei passiert alles zufällig. Doch offensichtlich folgen die Wege des Alltags strengen Mustern und weichen selbst in der Wiederholung nur minimal voneinander ab. Die Einförmigkeit hinterlässt Spuren, in den Gesichtern, auf den Möbeln und an den Wänden. Was ist das für ein Leben, das man zwischen Supermarkt, Kreisverkehr, Einbauküche und Vorgärten verbringt, vor allem, wenn man bedenkt, wie groß das Universum ist?

Stückausschnitt “Die Geräusche der Mittelschicht oder Das Gemüt ist ein Arschloch”

 

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