Joël László

 

© Aline László

© Aline László

Joël László, 1982 in Zürich geboren, schreibt Theaterstücke und Prosa und arbeitet als Übersetzer. Er studierte Islamwissenschaft und Geschichte und lebte längere Zeit in Kairo. Nach dem Studium nahm er in der Spielzeit 2013/14 am Förderprogramm “Dramenprozessor” am Theater Winkelwiese in Zürich teil, in dessen Rahmen das Stück “Wiegenlied für Baran” entstanden ist. Das Stück erhielt 2016 den Publikumspreis bei der Langen Nacht der neuen Dramatik an den Kammerspielen in München und ist 2017 für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Für das Theater Marie erarbeitete er gemeinsam mit Ariane Koch die Kurzstücksammlung “Zukunft Europa” sowie eine Neuübersetzung und Neufassung des ungarischen Theaterklassikers “Liliom”. Er verfasste die Arabisch-Übersetzungen für die Schreibwerkstätten mit syrischen Flüchtlingen am Schauspielhaus Graz (Our Stories) und am Schauspielhaus Zürich (Our Voice / Our Hope). Für die Reihe Paradise Lost am Theater Basel schrieb er den Text “Islam.Fantasien”. In der Spielzeit 2017/18 ist Joël László Hausautor am Theater Basel.

 

GENERAL WUNDE

Die Hautkrankheit des Neugeborenen verändert das Leben von Anja und Samuel. Ihr Alltag und ihr Selbstverständnis kommen ins Wanken. Erst gemeinsam, bald stetig vereinzelter und verzweifelter, steigen sie hoch zu jenen (Therapie)Gipfeln, wo Heilung einzig noch vermutet werden kann. Der Begriff der Gesundheit verliert in der dünner werdenden Luft seine Bedeutung. Die chronische Krankheit wächst sich aus zur Wunde und wird die neue maßgebende Topographie. Geister steigen aus den Schatten. Allen voran Anjas Vater. Er ist der genetische Urahn der Hautverwerfung, selbsternannter Pate einer ekzematischen Nationalkartographie, er ist General und Landesvater Guillaume-Henri Dufour. Die Wunden sind die Täler, die er vermessen und in die große Nationalkarte eintragen lässt. Die Ehe zerbricht schier angesichts der ständigen Selbst- und Fremdkartographierung. Am Schluss ist es auf der entzündeten Gehirnhaut der Mutter, wo über das Schicksal der Familie, ja über Tod und Leben entschieden wird.

Stückausschnitt “General Wunde”

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